
Nach einem Jahr Vorbereitung war es im August endlich so weit: Mit dem Race Around Austria 2026 stand für Xeno Schiess die bisher grösste Herausforderung seiner Ultracycling-Karriere an. Rund 2’200 Kilometer nonstop entlang der österreichischen Grenze. Nachstehend findet ihr seinen Rennbericht:
Ein schneller Start
Der Start ins Rennen hätte kaum besser laufen können. Die Beine fühlten sich gut an und auf den ersten 200 Kilometern konnten wir einen Schnitt von rund 30 km/h halten. Nach all den Monaten der Vorbereitung war es ein unglaubliches Gefühl, endlich im Rennen zu sein.
Doch beim Race Around Austria können sich Hochs und Tiefs innerhalb kürzester Zeit abwechseln. Bereits zwischen Kilometer 200 und 300 bekam ich starke Magenbeschwerden. Essen und Trinken wurden schwierig und aus dem perfekten Start wurde plötzlich ein erster richtiger Kampf. Nach diesem Tiefschlag und der Angst dass das Rennen bereits vorbei sei, war ich gezwungen früher als geplant schlafen zu gehen. Glücklicherweise war dies die richtige Entscheidung und das Rennen konnte fortgesetzt werden.
Ein Highlight am Grossglockner
Einer der schönsten Momente des gesamten Rennens war für mich der Grossglockner. Nach all den Kilometern, der Müdigkeit und den bereits durchgestandenen schwierigen Phasen dort hochzufahren, war etwas ganz Besonderes.
Die beeindruckende Landschaft und die Dimension der Berge liessen für einen Moment Müdigkeit, Schmerzen und Zeitdruck in den Hintergrund rücken. Definitiv einer jener Momente, für die sich die unzähligen Trainingsstunden im Vorfeld gelohnt haben.
Bei Kilometer 1’500 plötzlich ohne Schaltung
Die grösste technische Herausforderung wartete bei ungefähr Kilometer 1’500. Plötzlich kam es zum Totalausfall der Schaltung.
Nach bereits mehreren Tagen auf dem Rad war ein solcher Defekt natürlich alles andere als ideal. Körper und Kopf waren längst müde und plötzlich funktionierte eines der wichtigsten Teile des Fahrrads nicht mehr. Aufgeben war zu diesem Zeitpunkt jedoch keine Option. Gemeinsam mit der Crew musste improvisiert und eine Lösung gefunden werden, damit es weitergehen konnte.
Ein Finish für die Ewigkeit
Nach 4 Tagen, 19 Stunden und 20 Minuten war es tatsächlich geschafft.
Nach über 2’200 Kilometern, mehr als 36’000 verbrannten Kalorien, rund 7 Kilogramm Gewichtsverlust, Magenproblemen, technischen Defekten, unzähligen Höhenmetern und sehr wenig Schlaf erreichten wir das Ziel.
Am Ende durfte ich mich über den 5. Platz in der Männerkategorie freuen. Gleichzeitig bin ich nach aktuellem Stand der jüngste Finisher in der Geschichte des Race Around Austria. Etwas, das dieses Finish für mich noch spezieller macht.
Doch viel wichtiger als jede Zahl und Platzierung war der Moment im Ziel. Nach über vier Tagen auf dem Fahrrad zu realisieren, dass man tatsächlich einmal rund um Österreich gefahren ist, lässt sich nur schwer in Worte fassen.
Auch wenn am Ende mein Name in der Rangliste steht, war dieses Rennen alles andere als eine Einzelleistung. Ohne meine Crew, die während mehr als vier Tagen praktisch rund um die Uhr für mich gearbeitet, organisiert, navigiert, verpflegt und motiviert hat, wäre dieses Resultat nicht möglich gewesen.
Ein grosses Dankeschön deshalb an meine gesamte Crew, meine Familie, meine Freundin, alle Unterstützer und natürlich auch an den RMV Cham-Hagendorn für die Unterstützung auf meinem Weg zu diesem Rennen.



